Bayern-Nord
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Außenstellenleitertagung am 09./10. Oktober 2020 in Neuhof a.d. Zenn

 

Im Zeichen der Pandemie und unter Einhaltung strenger Hygienerichtlinien, stand die diesjährige Tagung der Außenstellenleiter des WEISSEN RINGS Bayern-Nord im mittelfränkischen Neuhof a.d.Zenn. Dort konnte Landesvorsitzender Josef Wittmann am Freitag, 09.10.20, fast alle Außenstellenleiter/innen und einige Aktive, die zu einer Ehrung anstanden, willkommen heißen. Eingangs betonte der Landesvorsitzende, dass im Vorfeld der Veranstaltung mit der Gemeinde, dem Landrats- und Gesundheitsamt abgeklärt wurde, ob die Veranstaltung stattfinden könne.
 

 

Im Anschluss stellten sich Marina Hanschke und Jannis Jurack von der Außenstelle Regensburg als neue Jugendbeauftragte des Landesverbandes Bayern-Nord vor. Beide hinterließen einen sehr guten Eindruck und zeigten sich motiviert, an ihre Aufgaben heran zu gehen.

 

Wolfgang Schwarz, Außenstellenleiter in Aschaffenburg und stv. Landesvorsitzender, informierte über EDA-Web und die EDA-App. Er betonte in seinem anschaulich und verständlich aufgebautem Vortrag, dass die moderne Datenverarbeitung nötig sei und auch beim WEISSEN RING nicht halt mache.

Schwarz ging auf die Planungen ein, die seit dem Jahr 2011 liefen. „EDA-Web gibt es seit 2015, hat aber leider bisher noch eine ausbaufähige Resonanz“, so Schwarz. 2020 wurde EDA-App eingeführt, die eine enorme Arbeitserleichterung bei der Übermittlung der Daten an die Bundesgeschäftsstelle bedeute. Schließlich gab er noch Informationen zur WR-Mail, die das Kommunikationssystem und die Arbeitsweisen im WEISSEN RING weiter digitalisieren soll.

 

Verena Richterich, Leiterin Referat Opferhilfe bei der Bundesgeschäftsstelle in Mainz, bezeichnete das Jahr 2020 als „turbulentes Jahr“ infolge der Pandemie mit dem erforderlichen Homeoffice, was für die Bundesgeschäftsstelle ein enormer Kraftakt gewesen ist. Sie gab einen kurzen Abriss über die zusätzliche Arbeit, die infolge Corona angefallen war.

Die materielle Hilfe des WEISSEN RING habe nach ihren Worten im Jahr 2020 über den Hilfen des Jahres 2019 gelegen. Mehr Infos dazu im Jahresbericht.
Frau Richterich bat auch darum, daß die Ehrenamtlichen den erbrachten Zeitaufwand für den WEISSEN RING auf dem dafür vorgesehenen Weg an die Bundesgeschäftsstelle zu übermitteln, um eine Erfassung der Zeit, die ehrenamtlich für Opfer von Straftaten erbracht wird, auch transparent darstellen zu können, gegenüber Gesellschaft und Politik. „Wir bemühen uns bei der Bundesgeschäftsstelle im Sinne unserer Ehrenamtlichen zu arbeiten und zu denken“, sagte die Referatsleiterin.
Sie verdeutlichte, um sich den Worten von Wolfgang Schwarz anzuschließen, dass die Fallerfassung nach elektronischer Übermittlung einer Weiterbearbeitung der Mitarbeiter der Bundesgeschäftsstelle bedarf. Hier kann mit den digitalen Mitteln viel Bürokratie abgebaut und Schnelligkeit in der Bearbeitung im Sinne der Opfer getan werden.
 

 

Mit Präventionsarbeit befasste sich Doris Klingseisen, stellvertretende Präventionsbeauftragte für Bayern-Nord, von der Außenstelle Cham. In Vertretung von Klaus Kozuch bat sie um Rückmeldungen der Außenstellen was vor Ort an Präventionsarbeit geleistet wird. Sie zeigte auf, wie es möglich ist, auch in Zeiten von Corona Präventionsarbeit zu leisten und stellte einige Programme der Öffentlichkeitsarbeit vor. „Solche vorbeugenden Programme, wie zum Beispiel `Pfoten weg`, sorgen auch für die Verbesserung des Bekanntheitsgrades des WEISSEN RINGS“, sagte Klingseisen.

 

Einen interessanten und anschaulichen Vortrag hielten von der KPI Aschaffenburg die beiden Kriminalbeamten Jörg Albert und Thomas Büttner über „Cold Case Ermittlungen“, über ungeklärte Fälle, die schon viele Jahre zurück liegen.

T. Büttner                                                         J. Albert

Dies machten sie an dem Fall „Hasenkopf“ mit dem „Schraubenziehertäter“ aus dem Jahr 1988 deutlich. Damals hatte ein Täter in Aschaffenburg eine junge Frau in bestialischer Weise missbraucht und mit 15 Stichen eines Schraubenziehers zu töten versucht. Das „Cold Case-Team“ habe diesen Fall aufgegriffen und konnte nunmehr mittels fortgeschrittenen DNA-Möglichkeiten den Fall klären, so dass der Täter zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Jörg Albert ging auf einen weiteren Fall ein, der vielversprechend wäre und möglicherweise auch noch geklärt werden könne.
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Am Samstag, 10.10.20, wurde die Tagung fortgesetzt.

Landesvorsitzender Josef Wittmann, konnte einige Ehrengäste willkommen heißen.
 

Claudia Wust, 1. Bürgermeisterin von Neuhof-Zenn, stellte kurz ihre Gemeinde vor, um dann ihren Respekt für die Arbeit des WEISSEN RINGS zum Ausdruck zu bringen. Besonders ging die Bürgermeisterin auf das Phänomen „Mobbing“ ein, welches sie in ihrem Beruf in der Schul- und Notfallfürsorge begleitet habe. „Sie beim WEISSEN RING sind da, wenn für Opfer das Leben still steht - Sie sind Rettungsanker in der Not“, sagte Claudia Wust.

Stellvertretender Landrat Reinhard Streng des Landkreises Neustadt/Aisch stellte den Landkreis vor. Er betonte, dass der WEISSE RING den Opfern eine Stimme gebe. Dabei sei es aber auch wichtig, die Opfer in der Öffentlichkeit zu schützen. „Sie bereichern mit ihrer Arbeit unsere Gesellschaft“, so Reinhard Streng.

 

Prof. Dr. Winfried Bausback (MdL) und ehemaliger Justizminister in Bayern, der nicht zum erstem mal bei einer Tagung des WEISSEN RINGS war, hielt einen Vortrag über „Opferschutz und Opferhilfe als Aufgabe und Verantwortung in Rechtspolitik und Gesellschaft“. Er habe ausnahmslos, auch als Justizminister, gute Erfahrungen mit dem WEISSEN RING gemacht, sagte Bausback. „Sie stehen mit ihrer Arbeit nicht immer im Rampenlicht, leisten aber im Verborgenen gute Arbeit für Opfer von Straftaten“. Opferarbeit sei eine zentrale Frage, bei der der WEISSE RING im Mittelpunkt stehe.
Bausback machte Probleme, mit denen Opfer zu tun hätten, an einigen Beispielen deutlich. Der Staat muss die Probleme und Ansprüche der Opfer beachten. Als erschreckend bezeichnete Bausback die Fälle von Kindesmissbrauch, die in den letzten Monaten an die Öffentlichkeit kamen. „In diesem Zusammenhang sollte darüber nachgedacht werden, ob Täter, die Netzwerke für solche abscheulichen Taten zur Verfügung stellen, nicht mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe belangt werden sollten.“ Prof. Bausback ging auf die Opferhilfe Bayern ein, als wichtige Ergänzung zu den Opferhilfen des WEISSEN RINGS.
Sein Resümee: „Egal wie man sich von staatlicher Seite anstrenge, entscheidend sei die Zuwendung und der Beistand für die Opfer, was vom WEISSEN RING geleistet wird, deshalb ist ihre Arbeit unglaublich wichtig.“ Er stehe dem WEISSEN RING stets gerne als Ansprechpartner zur Verfügung, sagte MdL Bausback und stand dann noch für eine Diskussion zur Verfügung.

Landesvorsitzender Josef Wittmann trug dann noch „Aktuelles aus dem Verein“ vor, wobei er auf Veränderungen in den Außenstellen, den Stand von Bußgeldzuweisungen und der Mitgliederentwicklung einging. Er berichtete, dass es in Bayern ab dem 1.1.21 flächendeckend Trauma Ambulanzen geben soll, wie das ZBFS mitgeteilt habe.

Ehrungen verdienter und langjähriger Mitarbeiter

Im Rahmen der Tagung wurden verdiente ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihr Engagement, welches sie über viele Jahre erbracht haben, mit Urkunde und einem kleinen Präsent ausgezeichnet.

Für 25 Jahre                  
Anastasia Kenty                ASL Neumarkt/Opf.
Monika Vieth                     ASL Forchheim
Für 20 Jahre                  
Siegfried Herrmann           MA Regensburg
Für 15 Jahre                  
Jutta Bauer                         ehem. MA Bayreuth
Ingrid Mauler                     MA Aschaffenburg
Liselotte Seybold               MA Schweinfurt

Für 10 Jahre                 
Manuela Distler                 MA Neumarkt/Opf.
Michael Düthorn                ASL Bamberg
Hermann Gammer             stellv. ASL Cham
Karl Herrscher                   ehem. ASL Ansbach
Andrea Karpf                     MA Aschaffenburg
Klaus Kozuch                    ASL Cham
Stephan Kröppel                ASL Weißenburg
Werner Leuerer                  MA Schweinfurt
Ludwig Linz                       MA Bamberg
Maria Schuster                    MA Bamberg
Tobias Weigel                      MA Regensburg
(ASL = Außenstellenleitung / MA = Mitarbeiter/in)

Bericht und Fotos:
Helmut Will, stv. Landesvorsitzender 

 

 

(vorne von links: Hermann Gammer (10), Siegfried Herrmann (20), Tobias Weigel (10), Anastasia Kenty und Monika Vieth (25).
(mitte von links): Ludwig Linz (10), Maria Schuster (10), Liselotte Seybold (15)
(hinten von links): Prof. Dr. Winfried Bausback, Landesvorsitzender Josef Wittmann, Verena Richterich, Referatsleiterin Opferhilfe
-nicht alle zu Ehrenden waren anwesend-